SPAIN

Do  17.05.
Doors: 20:00h / Start: 21:00h
Konzert
  • Abendkasse: 20.- €
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SPAIN

Mit drei Alben und einigen wenigen Tourneen erspielten sich Spain zwischen 1995 und 2001 eine treue, ihrer speziellen Faszination erlegene Fangemeinde. Sie waren eigen, verfügten über einen berauschenden Klang, der melancholisch-intime Wahrheiten mit intensiv ausgearbeiteten, warmen, umarmenden Sounds verknüpfte: "Slowcore" nannte man so etwas damals, aber es war viel mehr. Uncut schrieb treffend: "Of all the melancholy slowcore bands of the mid-'90s, Spain were one of the more imaginative: a debonair, blues-tinged group from LA led by Josh Haden (son of jazz bassist Charlie Haden) that frequently sounded like Spiritualized crossed with a cool jazz quartet. Haden's calm dissection of his own doubt and guilt is unnerving, like eavesdropping on an intimate conversation.... a woefully underappreciated band." Wie wahr. "Vegas" schreibt: "This is outstanding, emotionally resonant, indie-rock that will appeal to fans of Modest Mouse, yet spoken in Spain’s unique vernacular"
Josh Haden singt, um uns zu versöhnen. Hat er schon immer getan. In der Hochzeit in den 90ern. Damals als The Blue Moods Of Spain Haden & Co für kurze Zeit ins Licht der Öffentlichkeit brachte. Ihre Songs liefen in US-Serien, ihre Songs wurden gecovert. Natürlich: Johnny Cash. „Rick Rubin hat es ihm vorgespielt, Johnny mochte es und so hat er es aufgenommen.“ Spiritual heißt das Lied. Nicht nur Cash, sondern auch die Red Hot Chilli Peppers of all bands nahmen es in ihr Live-Programm auf. Bereits der Titel deutet auf die Weltsicht Hadens hin. Und jetzt:
„I can still remember when I received the letter that said, I am leaving you forever!“. Lakonisch vorgetragen. Im warmen Sound des Solos verschwindend, bald wieder befreit. Die Last bricht weg. Mit der Zeit ist da immer weniger Platz zwischen den Tönen. Sie kommen immer zurück. Als Spain vor über 10 Jahren auseinanderbrachen, nahm niemand Notiz davon. So unscheinbar hatten sie sich in die Musikgeschichte gespielt, dass sie nicht einmal in Vergessenheit gerieten. Das Slowcore-Genre hat viele zeitlose Bands hervorgebracht. Sie nehmen sich ihre Auszeiten. Ihre Musik jedoch bleibt.
Dass es in 2012 mit Codeine und eben Spain ausgerechnet zwei der Hauptprotagonisten der Mid-90s-Slowcoreszene auf den Plan ruft, scheint purer Zufall zu sein. Sie waren jedoch niemals weg. Die Platten wurden von Generation zu Generation weitergetragen. Slowcore. Aus der Zeit gefallen. Es braucht nur drei Lieder. Verschwinden.Sich erheben, sich auflehnen, kämpfen. Da ist die flehende Stimme Hadens, die sich wieder in Erinnerung ruft. Glauben Sie ihr nicht? „I'm still free and I tell the world about it, cause I got no doubt about it“. Der Rückzug ins Private. Auflehnung gegen das Scheitern: In der Liebe, im Leben. Hadern als Prozess. Hoffnung als Philosophie. Vollständige Selbstaufgabe. Erinnerungen: 1995 wie 2012.
„Einige der Songs“, sagt Haden „unterscheiden sich sehr von den frühen Spain-Songs. Sie entfernen sich von Slow Core, Down Tempo. Sie sind weniger in sich gekehrt. Ein Freund warnte mich: Mach das Spain-Konzept nicht kaputt. Doch ich antwortete nur: Vielleicht sind die Songs ein wenig schneller, aber es sind immer noch Spain-Songs“. Wenn Haden von der Veränderung erzählt, mag man ihm kaum glauben. Und auch wenn Spain auf „Because Your Love“ sowie „Miracle Man“ wirklich einmal Tempo aufnehmen, so bleiben sie Spain.
Stillstand also? Mitnichten. Entschleunigung als Lebensentwurf. Stell Dir vor, dieses Album an einem warmen Frühsommerabend zu hören. Mit einer handvoll Freunde. Ein Sonntagabend im Mai. Vom Ufer eines beliebigen Flusses weht ein stiller Wind in den Garten, über den fernen Hügeln geht ganz langsam die Sonne unter. Seit Wochen bereits hast Du auf Nachrichten verzichtet. Hin und wieder mischt sich ein Zaunkönig unter die Musik. Es ist still und Haden singt: „When I am rich, I'll sell my soul“ Die plötzliche Gewissheit: Es gibt die Seele. Sie ist da. Und sie wird in 10 Jahren noch da sein, wenn Du wieder im Garten sitzt, noch einmal „The Soul Of Spain“. Das Leben ein Fluß, die Musik die Seele.
Es wäre vermessen zu behaupten, dass sich etwas ändern wird. Nicht mit diesem Album, nicht in Deinem Leben. Aber bedarf es immer der großen Veränderung? Manchmal reicht die innere Ruhe, manchmal reicht der Seelenfrieden. Lass Deinen Kopf hängen, erhebe Deinen Geist. Das kann Dich befreien. „The Soul of Spain“ versöhnt Dich für den kurzen Moment einer Platte mit Dir. Mehr muss und kann Musik nicht leisten.